Freiberufler: Phase des Umbruchs

Die Einzelkämpfer der deutschen Volkswirtschaft führen zunehmend eine Abwehrschlacht gegen Bürokratie, Konkurrenzdruck und zu hohe Abgabenlast. Wer auf eigene Rechnung schafft, steht vor großen Herausforderungen.
tungurahuaAxel Dahmen war schon vieles: Musikalienhändler, Handels-assistent, Entertainer. Er studierte Informatik, arbeitete mal als Pizzafahrer, entwickelte für das Fraunhofer-Institut ein Onlinefundbüro und erfand ein neuartiges Keyboard, das er selbst (erfolglos) vermarktete. Aber eines war Dahmen schon immer: sein eigener Herr. Und das soll auch so bleiben.
Heute arbeitet Axel Dahmen als freiberuflicher Software-entwickler und Programmierer. Die Kunden sind große Konzerne, der Arbeitsplatz ist häufig im Ausland. Zeit für eine Familie hat er nicht, aber das stört ihn weniger: „Nur so kann ich Aufträge annehmen, die mich ans andere Ende der Welt bringen, und spannende Aufgaben anpacken. „Nur so kann ich Aufträge annehmen, die mich ans andere Ende der Welt bringen, und spannende Aufgaben anpacken.“

Dahmen ist Freiberufler – wie etwa 857000 andere, schätzt Willi Oberlander, Leiter des Instituts für freie Berufe (IfB) in Nürnberg. Freiberufler beschäftigen wiederum rund 2,7 Mio. Mitarbeiter, darunter 160 000 Auszubildende. Und vor allem: Sie erwirtschaften etwa 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.


Die meisten Freiberufler halten sich für eine Elite und dafür spricht einiges. Denn es wird von ihnen eine besondere berufliche Qualifikation oder schöpferische Begabung erwartet, die „eine persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höhererArt im Interesse derAuftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt haben“, wie Hauptgeschäftsführer Arno Metzlervom Berliner Bundesverband der Freien Berufe (BFB) feststellt. Wer allerdings zu den Freiberuflern zu zählen ist und wer nicht, darüber sind sich nicht einmal die Experten einig. So grenzt der BFB diese Gattung in vier Berufsgruppen ein:
· Heilkundler wie etwa Ärzte, Zahnmediziner und Apotheker;
· rechts-, wirtschafts- und steuerberatende Freiberufler;
· Techniker wie beispielsweise Architekten und Ingenieure sowie
· die Angehörigen FreierKulturberufe. Der Grund für diese Vielfalt liegt darin, dass der Freiberuflerstatus begehrt ist wie nie. Denn diese Spezies muss, anders als Gewerbetreibende, bis heute keine Gewerbesteuerzahlen, außerdem sind sie bei der Wahl ihres Geschäftssitzes nicht an die Vorgaben eines Bebauungsplans gebunden: Sie können sich fast überall niederlassen. Selbstständigkeit hat Konjunktur in Deutschland.

Quelle Profits, Das Firmenkundenmagazin der Sparkassen-Finanzgruppe, Ausgabe 3/06, Deutscher Sparkassen Verlag GmbH".

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